MSMRatgeber

Methylsulfonylmethan sachlich erklärt

Reinheit bei MSM prüfen statt glauben

Die Angabe 99,9 Prozent steht auf nahezu jeder MSM-Packung und wird selten erklärt. Sie beschreibt einen Gehalt, keine Freiheit von Verunreinigungen. Wer Qualität beurteilen will, braucht das Herstellungsverfahren und ein Analysenzertifikat.

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Zwei Reinigungsverfahren, ein Ergebnis

Technisch entsteht Methylsulfonylmethan durch Oxidation von Dimethylsulfoxid. Für die anschließende Reinigung sind zwei Wege verbreitet. Bei der Destillation wird der Stoff in mehreren Stufen verdampft und wieder kondensiert; Begleitstoffe mit abweichendem Siedeverhalten bleiben zurück. Bei der Kristallisation wird er in einem Lösungsmittel gelöst und gezielt auskristallisiert, wobei Verunreinigungen in der Mutterlauge verbleiben. Beide Verfahren können hochreine Ware liefern. Der Unterschied liegt weniger im Prinzip als in der Prozessführung und in der Kontrolle der einzelnen Chargen. Beide Wege sind industriell etabliert, und die eingesetzte Anlage bestimmt das Ergebnis stärker als die Bezeichnung des Verfahrens in einem Werbetext.

In der Werbung wird die Destillation regelmäßig als das überlegene Verfahren dargestellt. Diese Zuspitzung ist eine Verkaufsaussage, keine analytische Feststellung. Entscheidend ist nicht, welches Verfahren im Text genannt wird, sondern welche Werte die konkrete Charge im Labor zeigt. Ein Produkt, dessen Anbieter das Verfahren nennt, aber keine Analyse vorlegen kann, ist schlechter belegt als eines mit vollständigem Zertifikat und ohne Verfahrenshinweis. Fragen Sie deshalb nach Daten, nicht nach der Prozessbeschreibung. Hinzu kommt, dass ein Anbieter in der Regel nicht selbst produziert, sondern Rohware zukauft. Die Verfahrensangabe stammt dann aus dem Datenblatt des Lieferanten und wird ungeprüft übernommen.

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Was 99,9 Prozent aussagt und was nicht

Die Prozentangabe bezieht sich auf den Gehalt an Methylsulfonylmethan in der Trockenmasse. Sie besagt, dass in 1000 Milligramm Pulver rund 999 Milligramm des Stoffes stecken. Sie besagt nicht, woraus das restliche Promille besteht, und sie sagt vor allem nichts über Stoffe, die in Spuren relevant sind. Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen werden in Mikrogramm je Kilogramm gemessen; solche Mengen sind in einer Gehaltsangabe mit drei Nachkommastellen schlicht nicht sichtbar. Zwei völlig verschiedene Fragen also. Aussagekräftig wird die Zahl erst zusammen mit der Angabe, nach welcher Methode sie bestimmt wurde, denn verschiedene Verfahren liefern leicht abweichende Werte.

Dasselbe gilt für mikrobiologische Werte und für Rückstände aus dem Herstellungsprozess. Auch ein Pulver mit sehr hohem Gehalt kann in diesen Punkten auffällig sein, und ein Produkt mit 99,5 Prozent kann in allen sicherheitsrelevanten Parametern einwandfrei sein. Die Reinheitsangabe ist damit ein Identitätsmerkmal, kein Sicherheitsnachweis. Angaben wie 99,99 Prozent oder gar 100 Prozent, die manche Anbieter verwenden, sind analytisch kaum sinnvoll darstellbar und dienen in erster Linie der Abgrenzung im Regal. Wer wissen möchte, wie sauber eine Charge tatsächlich ist, braucht Messwerte zu genau diesen Parametern und nicht eine größere Zahl auf der Schauseite. Erst sie erlauben einen Vergleich zwischen zwei Anbietern.

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Ein Analysenzertifikat richtig lesen

Ein brauchbares Zertifikat, oft als Certificate of Analysis oder CoA bezeichnet, nennt zuerst die Chargennummer und das Datum. Prüfen Sie, ob diese Chargennummer mit der auf Ihrer Dose übereinstimmt; ein Musterzertifikat aus dem Jahr 2019 sagt über die Ware in Ihrem Schrank nichts aus. Es folgen die Identitätsprüfung, etwa per Infrarotspektrum oder Chromatografie, der Gehalt, das Aussehen und häufig der Schmelzpunkt, der bei reinem Dimethylsulfon im Bereich von etwa 108 bis 110 Grad Celsius liegt. Ein Zertifikat ohne Absender, ohne Unterschrift und ohne Nennung des prüfenden Labors ist ein Ausdruck und kein Dokument.

Im zweiten Teil stehen die sicherheitsrelevanten Parameter: Schwermetalle einzeln mit Grenzwert und gemessenem Wert, mikrobiologische Werte wie Gesamtkeimzahl, Hefen und Schimmelpilze, Escherichia coli und Salmonellen, dazu Restfeuchte und je nach Verfahren Restlösemittel. Häufig ergänzt eine Siebanalyse die Angaben zur Korngröße. Achten Sie darauf, dass für jeden Parameter eine Methode und eine Spezifikation genannt sind; eine Liste mit lauter Einträgen wie bestanden ohne Zahlenwerte ist wenig wert. Seriöse Anbieter senden das Dokument auf Anfrage zu. Fragen Sie gezielt nach dem Zertifikat zu Ihrer Charge, wenn auf der Website nur ein allgemeines Musterdokument hinterlegt ist. Eine sachliche Antwort erhalten Sie meist innerhalb weniger Tage.

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Begriffe, die rechtlich nichts bedeuten

Formulierungen wie pharmazeutische Qualität, Premiumqualität, laborgeprüft, Reinsubstanz oder höchste Reinheitsstufe sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht definiert. Sie klingen nach einem Standard, benennen aber keinen. Auch der Hinweis auf eine Herstellung in Deutschland bezieht sich in vielen Fällen auf die Abfüllung und Konfektionierung, während der Rohstoff aus internationalen Produktionen stammt. Das ist zulässig und nicht ehrenrührig, nur eben etwas anderes als eine deutsche Rohstoffherkunft. Fragen Sie im Zweifel nach dem Herstellungsland des Rohstoffs. Ähnlich unbestimmt sind Wendungen wie naturidentisch oder ohne Zusatzstoffe, solange das Zutatenverzeichnis sie nicht deckt. Prüfen Sie deshalb, ob ein Werbebegriff auf der Rückseite eine Entsprechung findet.

Aussagekräftig sind dagegen überprüfbare Angaben: eine Chargennummer auf der Packung, ein zugehöriges Analysenzertifikat, ein benanntes Prüflabor, eine vollständige Anschrift des verantwortlichen Lebensmittelunternehmers und eine klare Antwort auf eine E-Mail-Anfrage. Manche Rohstoffe werden unter eingetragenen Markennamen vertrieben; auch das ist zunächst nur ein Name, gewinnt aber an Bedeutung, wenn der Anbieter die zugehörige Dokumentation vorlegen kann. Prüfen Sie also die Belege, nicht die Adjektive, und behandeln Sie fehlende Auskunft als Antwort. Eine kurze E-Mail mit drei Fragen genügt: Verfahren, Herkunftsland des Rohstoffs und Zertifikat zur gelieferten Charge. Aus der Antwort erfahren Sie oft mehr als aus der gesamten Produktseite.