01
Die Bezugsgröße heißt Tagesportion
Auf Nahrungsergänzungsmitteln müssen Mengen bezogen auf die vom Hersteller empfohlene Tagesportion angegeben werden. Ein typisches Etikett formuliert das so: Verzehrempfehlung zwei Kapseln täglich, und in der Nährwerttabelle steht daneben je Tagesportion 1500 mg Methylsulfonylmethan. Die Zahl auf der Schauseite meint also nicht eine einzelne Kapsel, sondern die Summe der empfohlenen Portion. Wer das übersieht, verdoppelt oder halbiert seine Menge unbemerkt. Prüfen Sie deshalb immer zwei Angaben gemeinsam: die Stückzahl in der Verzehrempfehlung und die Milligrammzahl je Tagesportion. Bei Pulvern steht anstelle einer Stückzahl meist ein Maß wie ein gestrichener Messlöffel, was die Umrechnung ungenauer macht und deshalb einen eigenen Abschnitt verdient.
Verpflichtend ist außerdem der Hinweis, dass die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge nicht überschritten werden darf. Dieser Satz ist keine Höflichkeitsfloskel des Herstellers, sondern Pflichtkennzeichnung nach der Nahrungsergänzungsmittelverordnung. Er bezieht sich auf das jeweilige Produkt und dessen Rezeptur. Wenn Sie mehrere Präparate verwenden, addieren sich gleiche Zutaten über die Produkte hinweg, ohne dass ein Etikett Sie darauf hinweist. Legen Sie in diesem Fall alle Packungen nebeneinander und rechnen Sie die Summe je Zutat einmal aus. Das dauert wenige Minuten und verhindert stille Doppelungen. Besonders häufig passiert das bei Vitaminen, die gleichzeitig in einem Multipräparat, in einem Kombiprodukt und in einer Brausetablette enthalten sind.
02
Kapseln, Löffel und Gramm ineinander umrechnen
Bei Kapseln ist die Rechnung einfach: Anzahl mal Füllmenge. Drei Kapseln mit je 1000 mg ergeben 3000 mg, also 3 Gramm. Achten Sie darauf, dass die Füllmenge und das Gesamtgewicht der Kapsel nicht dasselbe sind; eine Kapsel mit 750 mg Inhalt wiegt samt Hülle spürbar mehr. Seriöse Etiketten geben die Füllmenge des Stoffes an, nicht das Kapselgewicht. Steht auf der Packung nur eine Gesamtangabe wie 1000 mg Kapseln, ohne dass die Nährwerttabelle die Menge je Tagesportion ausweist, fehlt die entscheidende Information. Prüfen Sie außerdem, ob sich eine Angabe auf eine einzelne Kapsel oder auf die gesamte Tagesportion bezieht; beide Darstellungen kommen im Handel vor.
Beim Pulver ist der Messlöffel die häufigste Fehlerquelle, weil er ein Volumen misst und keine Masse. Die Schüttdichte von MSM liegt grob zwischen 0,6 und 0,8 Gramm pro Milliliter, je nach Korngröße. Ein Löffel mit einem Milliliter Volumen fasst also ungefähr 0,7 Gramm, und die Abweichung zwischen gestrichen und gehäuft kann fünfzig Prozent betragen. Wiegen Sie einmal drei gestrichene Löffel auf einer Feinwaage mit 0,1 Gramm Auflösung ab und teilen Sie durch drei. Danach kennen Sie Ihren Löffelwert und brauchen die Waage nicht mehr täglich. Notieren Sie das Ergebnis auf einem Klebezettel an der Dose, dann steht der Wert beim nächsten Öffnen ohne erneutes Wiegen bereit.
03
Warum es keinen amtlichen Richtwert gibt
Für Vitamine und Mineralstoffe existieren Nährstoffbezugswerte, an denen sich Prozentangaben auf dem Etikett orientieren. Für Methylsulfonylmethan gibt es einen solchen Referenzwert nicht, denn es handelt sich weder um ein Vitamin noch um einen Mineralstoff, und ein Bedarf ist nicht definiert. Ebenso wenig existiert eine von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit abgeleitete tolerierbare Höchstaufnahmemenge. Deshalb finden Sie auf Packungen keine Prozentangabe zum Tagesbedarf, und deshalb lässt sich auch nicht sagen, eine bestimmte Menge sei zu wenig oder ausreichend. Aus demselben Grund finden Sie in der Nährwerttabelle neben der Milligrammzahl für MSM ein leeres Feld mit einem Sternchen und dem Hinweis, dass kein Referenzwert vorliegt.
In der Praxis liegen die auf Etiketten genannten Tagesportionen meist zwischen 1000 und 3000 Milligramm. Diese Spanne ist eine Marktkonvention, abgeleitet aus den Mengen, die in Untersuchungen verwendet wurden, und aus dem, was Hersteller für vertretbar halten. Sie ist kein Beleg dafür, dass gerade dieser Bereich sinnvoll wäre. Höhere Mengen bringen keinen bekannten Zusatznutzen, wohl aber eine höhere Wahrscheinlichkeit für Magen-Darm-Beschwerden. Wer unsicher ist, bleibt an der unteren Kante der Herstellerangabe und bespricht die Einnahme bei Vorerkrankungen oder Dauermedikation vorher ärztlich. Auch Verweise auf Mengen aus einzelnen Studien helfen nicht weiter, weil dort andere Personengruppen, andere Zeiträume und andere Fragestellungen zugrunde lagen.
04
Mischprodukte: die Menge hinter dem großen Wort
Bei Kombinationspräparaten steht auf der Vorderseite oft eine große Zahl, die für die gesamte Rezeptur gilt. Ein Produkt, das mit 1500 mg je Tagesportion wirbt, kann daraus 500 mg MSM, 800 mg Glucosaminhydrochlorid und 200 mg weitere Zutaten machen. Die Einzelmengen müssen im Zutatenverzeichnis oder in der Tabelle stehen; genau dort schauen Sie nach. Sammelbegriffe wie Gelenkkomplex oder Aktivmatrix ohne aufgeschlüsselte Einzelmengen sind ein Grund, das Produkt beiseitezulegen, weil sich sonst weder Menge noch Preis je Gramm berechnen lassen. Rechnen Sie in solchen Fällen die Menge je Zutat auf einen Tag um und vergleichen Sie sie mit einem Einzelprodukt, bevor Sie überhaupt auf den Preis sehen.
Die Reinheitsangabe spielt für die Rechnung dagegen kaum eine Rolle. Bei 99,9 Prozent Reinheit enthalten 1000 Milligramm Pulver rund 999 Milligramm des Stoffes, die Differenz ist rechnerisch bedeutungslos. Relevant wird die Angabe erst, wenn ein Anbieter sie gar nicht macht oder wenn ein Pulver ausdrücklich als Mischung deklariert ist, etwa mit einem Rieselhilfsmittel. Halten Sie sich an eine einfache Reihenfolge: erst die Menge je Tagesportion feststellen, dann die Anzahl der Portionen je Packung, dann den Preis je Gramm. Alles andere ist Verpackung. Wer diese drei Schritte einmal in Ruhe durchgegangen ist, braucht für das nächste Produkt keine zwei Minuten mehr.